Rund 85 Millionen Kubikmeter Abwasser reinigen die Stuttgarter Kläranlagen jedes Jahr und verarbeiten dabei rund 88.000 Tonnen Klärschlamm. Die Infrastruktur dafür liegt weitestgehend im Untergrund. 1.700 Kilometer Kanalnetz bringen das Regen- und Abwasser zu den vier Kläranlagen im Stadtgebiet, wo es nach der Reinigung wieder dem natürlichen Wasserkreislauf in die Flüsse zurückgegeben wird. „Sauberes Wasser und eine funktionierende Abwasserreinigung sind Grundlagen für Gesundheit, Umwelt- und Gewässerschutz“, betont Jürgen Mutz, Amtsleiter Tiefbauamt der Stadt Stuttgart und erster Betriebsleiter der SES, im Rahmen des jährlichen Weltwassertags am 22. März.
Spurenstoffe eliminieren und Phosphor gewinnen
Die Abwasserreinigung entwickelt sich stetig weiter. Neben klassischen Verschmutzungen gelangen zunehmend Spurenstoffe ins Wasser, etwa aus Medikamenten oder Haushaltsprodukten. Um diese besser zu entfernen, wird das Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen um eine vierte Reinigungsstufe erweitert. Aktivkohle bindet dabei Mikroschadstoffe und verbessert den Gewässerschutz. Auch die Rückgewinnung von Phosphor gewinnt an Bedeutung. Der wertvolle Rohstoff wird künftig aus Klärschlamm zurückgewonnen und kann etwa als Dünger genutzt werden.
Gewässer, Seen und Brunnen stärken Umwelt und Stadtklima
Das Tiefbauamt betreut zudem rund 150 Kilometer Fließgewässer und 16 Seen. Ziel ist es, diese möglichst naturnah zu entwickeln und gleichzeitig Anforderungen wie Hochwasserschutz und Naherholung zu erfüllen. Für ein besseres Stadtklima sorgen unter anderem 13 Mineralbrunnen, 114 Trinkbrunnen und 77 Wasserspiele.
Wasser schützen: So kann jeder im Alltag beitragen
Eine funktionierende Infrastruktur allein reicht nicht – auch der verantwortungsvolle Umgang im Alltag ist entscheidend. Feuchttücher, Hygieneartikel oder Textilien gehören nicht in die Toilette, da sie Leitungen verstopfen. Medikamente sollten über den Hausmüll entsorgt werden. Wer zudem umweltfreundliche Produkte nutzt und bewusst mit Wasser umgeht, trägt aktiv zum Schutz dieser lebenswichtigen Ressource bei – heute und in Zukunft. Mehr dazu erfahren Sie im Flyer Kein Müll ins Klo.
Fokus Weltwassertag 2026: ungleicher Zugang zu Wasser weltweit
Weltweit ist der Zugang und die Verfügbarkeit von sauberem Wasser keine Selbstverständlichkeit: Rund 1,8 Milliarden Menschen verfügen laut WHO und UNICEF noch immer nicht über Trinkwasser direkt im Haushalt. In zwei von drei Haushalten sind Frauen hauptsächlich dafür verantwortlich, Wasser zu holen. Das Motto des Weltwassertags 2026 – „Where water flows, equality grows“/„Wo Wasser fließt, wächst Gleichberechtigung“ – lenkt daher den Blick auf die weltweite Ungleichheit beim Zugang zu Wasser und verdeutlicht, dass die Wasserkrise vielerorts vor allem Frauen betrifft.
