13. Oktober 2026

Stuttgart Challenge: Mit Innovationen zu klimafreundlicheren Kläranlagen

Der Stuttgarter Klima-Innovationsfonds fördert zwei Projekte, die unterstützen sollen, Kläranlagen klimafreundlicher und effizienter zu betreiben.
Der Stuttgarter Klima-Innovationsrat bewertete im Juli als Jury die eingereichten Projektideen. | Foto: Thomas Niedermüller, Rechte: Landeshauptstadt Stuttgart

Zwei Projekte, ein Ziel: Klimaschutz im laufenden Kläranlagenbetrieb

Kläranlagen sind für eine sichere Abwasserreinigung unverzichtbar – gleichzeitig entstehen bei den biologischen und technischen Prozessen Treibhausgasemissionen. Genau hier setzt die erste Stuttgart Challenge des Klima-Innovationsfonds der Landeshauptstadt an. „Beim kommunalen Klimaschutz werden Kläranlagen als Emissionsquellen noch viel zu oft übersehen. Hier schlummert ein enormer Hebel direkt vor unserer Haustür,“ sagt Hauke Diederich vom Klima-Innovationsfonds. Aus 27 eingegangenen Anträgen wurden zwei Projekte ausgewählt, die mit jeweils bis zu 300.000 Euro gefördert werden. Boris Diehm, Leiter der Abteilung Klärwerke und Kanalbetrieb der Stadtentwässerung Stuttgart betont: „An unserem Hauptklärwerk bringen wir neueste Forschung und Innovationen in die großtechnische Anwendung – und gleichzeitig unsere Kläranlagen ein gutes Stück weiter auf dem Weg zur Klimaneutralität.“ Die SES stellt dafür ihr Hauptklärwerk in Stuttgart-Mühlhausen als Praxisstandort zur Verfügung. Hier sollen die entwickelten Ansätze unter realen Bedingungen erprobt und für den großtechnischen Betrieb weiterentwickelt werden.

OpenKA: Mit künstlicher Intelligenz den Anlagenbetrieb optimieren

Das Projekt OpenKA entwickelt ein KI-gestütztes Assistenztool für Stuttgarter Kläranlagen. Es soll direkte und indirekte Emissionen der Abwasserbehandlung in Echtzeit berechnen und daraus optimierte Betriebsstrategien ableiten. Dabei werden Klimaschutz, Gewässerschutz und ein effizienter Anlagenbetrieb gemeinsam betrachtet. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen im Hauptklärwerk Mühlhausen um mindestens zehn Prozent zu senken. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend auch auf die weiteren Stuttgarter Kläranlagen übertragen werden.

MoSAiK: Spurenstoffelimination mit weniger Aktivkohle

Beim Projekt MoSAiK geht es um die vierte Reinigungsstufe im Hauptklärwerk Mühlhausen. Dort wird bereits heute eine der weltweit größten Anlagen zur Spurenstoffelimination mit Pulveraktivkohle betrieben. MoSAiK untersucht, wie sich der Aktivkohlebedarf reduzieren lässt, ohne die Reinigungsleistung zu beeinträchtigen. Dafür werden unterschiedliche Betriebsweisen zunächst modellgestützt simuliert. Ziel ist eine Verringerung des Pulveraktivkohlebedarfs um mindestens 15 Prozent – mit Einsparungen bei CO₂-Emissionen und Kosten.

SES gibt Einblicke bei der DWA-Tagung am 21. Oktober

Wie Bewerber für die Challenge gefunden wurden und wie aus Ideen konkrete Projekte für den Kläranlagenbetrieb werden können, darüber berichten SES-Verantwortliche bei der DWA-Tagung Im Fokus: Energie und Klima auf Kläranlagen in Baden-Württemberg am 21. Oktober 2026.

Außerdem berichtet die SES über NIS-2 – Pflichten und Chancen und die Umsetzung bei der Stadtentwässerung Stuttgart. Die Tagung bietet damit auch Gelegenheit, Erfahrungen aus der Praxis weiterzugeben und sich mit Fachleuten über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze auszutauschen.